- Initiative Cycleride

Jeder Radfahrer ist ein Auto weniger im Stau....

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Wie wenig ist das Leben eines 7-jährigen, unschuldigen Jungen wert? Sind Staatsanwälte und Gerichte zu milde?

Ein Menschenleben ist grundsätzlich erst mal unbezahlbar. Die Gesellschaft muss alles versuchen, jedes Leben zu schützen und auch, durch umsichtige Fahrweise im Verkehr, nicht ohne Grund zu gefährden. Dazu reicht im Allgemeinen der §1 StVO aus.

 §1 Grundregeln

 (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

 (2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Den immer weniger werdenden, korrekt und vorsichtig fahrenden und agierenden Verkehrsteilnehmern fällt jedoch zunehmend auf, dass es mit der Verkehrsmoral und Rücksicht nicht mehr weit her ist. Die früheren „südländischen Fahrweisen“, mit denen man aus dem Urlaub in Südeuropa zurückkam, haben längst bei uns dauerhaft Einzug gefunden. Lächerliche Strafen und kaum vorhandene und in der Summe demnach nutzlose Verkehrsüberwachung tun ihr Übriges zum Verhalten egoistischer Verkehrsteilnehmer, die mit immer stärker werdenden Kraftfahrzeugen versuchen, schnellstmöglich an ihr persönliches Ziel zu gelangen, stehen sie doch oft genug im Stau. Irgendwie muss man das ja aufholen.

Es gibt aber auch immer mehr Verkehrsteilnehmer, die zur Vernunft kommen. Fridays for future, Fahrraddemonstrationen und dergleichen ist es zu verdanken, dass mehr Menschen aufs Fahrrad steigen, um ihre Alltags- und Freizeitwege umweltfreundlich und sinnvoll zurückzulegen. So auch die Mutter, die in Berlin ihren 7-jährigen Constantin umweltfreundlich und eben nicht mit dem üblichen, motorisierten Mamataxi, zur Schule bringt. Leider war das die letzte gemeinsame Fahrt der beiden. Sie endete an der Kreuzung Nauener Straße/Brundbütteler Damm in Spandau. Der Junge wurde von einem über die Radfurtmarkierungen abbiegenden LKW-Fahrer, der wohl überhaupt nicht in den Seitenspiegel gesehen hat, überrollt. Vorrang hatten eindeutig die beiden Radfahrer.

Nun liest man in der Presse viel zu oft von Rad-Rowdys, die selbst schuld seien, an ihren Unfällen. Jede Verfehlung wird in der Presse genüsslich ausgetreten. So, als wären fehlende Helme etc. unfallursächlich, selbst dann, wenn Kfz-Fahrer die Schuld haben. Tatsächlich steigen die Unfallzahlen leider ausgerechnet unter den umweltfreundlichen Radfahrern. Experten sind sich aber relativ einig, dass diese häufig deshalb zustande kommen, weil Radfahrer sich im Irren und Wirren der Radverkehrsinfrastruktur nicht mehr zurechtfinden, auf viel zu engen Radwegen und ungeeigneten Mischwegen kollidieren oder einfach nicht wissen, wie sie überhaupt ans Ziel gelangen können. So ist die häufigste Unfallursache das Radeln auf der falschen Straßenseite. Dass man hierzu oft genug – und oft rechtswidrig - gezwungen wird, es andernorts aber konkret verboten ist, wird in der allgemeinen Presse nie erwähnt.

Im Berliner Fall jedoch ist die Lage eindeutig: Wer über eine Radverkehrsfurt- oder einen Radweg ab- oder einbiegt, hat Vorrang zu gewähren und sicherzustellen, dass nichts passiert. Gerade für LKW-Fahrer trifft das ganz besonders zu. Wer nichts sieht, darf keinesfalls abbiegen. Was logisch und selbstverständlich erscheint, sieht in der Realität jedoch komplett anders aus. Nähmen sich Radfahrer nicht so oft zurück und würden auf ihren Vorrang verzichten, wären die Unfallzahlen noch erheblich höher. Jeder erfahrene Radfahrer weiß davon ein Lied zu singen.

Nun sollte man annehmen, dass wenn ein fataler Fehler mit Unfall mit Todesfolge einmal passiert ist, eine Anklage und das anschließende Gerichtsurteil auch angemessen ausfällt. Den Presseberichten zufolge kam hier ein Momentversagen zum anderen. Eigentlich ein klares Zeichen für eine komplette Nichteignung zum Führen eines Kraftfahrzeugs, vor allem aber eines LKW. Und das Urteil verlief wider Erwarten. Ein langjähriger bis dauerhafter Führerscheinentzug wurde erwartet, eine hohe Geldstrafe und zumindest eine zeitweise Haftstrafe, die sich beim Unfallfahrer dauerhaft einbrennt, dazu eine weiterführende, langjährige Bewährungsstrafe. Doch schon die Staatsanwaltschaft forderte Milde: 6 Monate Haft auf Bewährung. Wie oft fährt man denn jemanden tot, damit man überhaupt in Gefahr läuft, diese tatsächlich antreten zu müssen?

Und tatsächlich: Das Gericht ließ Milde walten. Milde, einem Fahrer gegenüber, der schon am Unfallort mehr oder weniger direkt noch dem Jungen und seiner Mutter die Schuld am Unfall gab. Der selbst nach der ersten Kollision noch mit einer starken Bremsung den Tod verhindern hätte können, es aber nicht tat! Das Gericht befand den Fahrer zwar für schuldig, sprach jedoch nur eine Bewährungsstrafe von 6 Monaten aus, zudem 500,- Euro für die Kindernothilfe. Seinen Führerschein durfte er behalten – und ignorierte einen Monat später schon wieder eine rote Ampel.

Es ist ein Urteil, dass laut Berliner Zeitung „irritert“. Für die umweltfreundliche und oft genug gemobbte Radfahrerwelt ist das jedoch eine komplette Schande! Es werden Menschen für weit geringere Verfehlungen schwer bestraft oder gar ins Gefängnis gesteckt. Radfahrer jedoch – sogar Kinder – scheinen eine andere Kaste zu sein. Das muss endlich aufhören!

Weiterführende Links zum Gerichtsurteil, das Fragen aufwirft beziehungsweise sprachlos macht:

https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/berlin-spandau-junge-von-lkw-ueberrollt-und-getoetet-fahrer-erhaelt-bewaehrungsstrafe-li.2635

https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/lkw-fahrer-ueberrolt-jungen-irritierendes-urteil-zum-tod-eines-siebenjaehrigen-li.2671

https://www.bild.de/regional/berlin/berlin-aktuell/constantin-7-wurde-in-berlin-ueberrollt-bewaehrung-fuer-lkw-fahrer-66461076.bild.html

Brennpunkt Februar 2018 - Selbst die Polizei ist machtlos - kein Verfahren gegen aggressive Autofahrer mangels öffentlichem Interesse!

[Edit 01.09.2018] - Auch die Staatsanwälte lernen dazu:

Geldstrafe und Führerscheinentzug für Autofahrerin

Ob das aber ausreicht? Die modernen Rentner mit ihren zuweilen abenteuerlichen und teils furchtbar rechthaberischen Gebaren können einem schon Angst machen. Zu lesen ca. jeden dritten Tag in der Tageszeitung. frown

Meiner bescheidenen Meinung nach sollte es spätestens ab 45 Jahren eine 10-jährige Führerscheinprüfung in Theorie und Praxis für alle Autofahrer geben. Denn vieles schleicht sich ein und vieles Neues wird schlichtweg nicht aufgefasst. Irgendwann fährt jeder nur noch nach Gefühl. "Die Zeitung berichtete...."

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Wohin das wohl noch führt? Ohne den Online-Auftritt des "Tagesspiegels" wäre es so wohl kaum ans Licht gekommen: Eine Radfahrerin in Berlin wird von einer Autofahrerin drangsaliert, beschimpft, geschnitten, das Rad wird im weiteren Verlauf über den Bordstein geworfen und die Radfahrerin dann auch noch angefahren. Ein Sprung zur Seite rettet sie möglicherweise vor dem Überfahrenwerden. Eine weitere Attacke gegen Radfahrer, so weit so schlecht. Doch es ist auch eine Attacke gegen die Staatsgewalt, denn die Radfahrerin hatte sich längst als Polizistin ausgegeben. Doch die Autofahrerin juckte das überhaupt nicht. Offensichtlich besteht Narrenfreiheit in Berlin, Stadt des Geschehens. Und tatsächlich: Die Staatsanwaltschaft stellte nach 373 Tagen das Verfahren glatt ein - quasi wegen Geringfügigkeit! Lesen Sie die Links:

„Weil die Schuld als gering anzusehen wäre..."

Mit Radfahrern kann man es ja machen! Die fahren eh alle nur bei rot über die Ampel und falsch in Einbahnstraßen, da sollen sie sich mal nicht über entsprechende "Reaktionen" beschweren! Auch die korrekten Radfahrer müssen das wohl abkommen - so scheint man die Staatsanwaltschaft zu verstehen. Doch hier wurde glücklicherweise über die Medien entsprechend informiert und es hagelte Kritik und zwar nicht nur aus Radfahrerkreisen:

Attacke auf radfahrende Polizistin hat Konsequenzen

Die angefahrene Polizistin sagte nach dem Vorfall: „Als Polizistin stecke ich das ja noch einigermaßen weg, aber jemand anderes würde sich wohl nie wieder aufs Fahrrad trauen.“ Und genau deshalb ist es nur konsequent, dass nun wohl der Justizsenator sein Veto eingelegt hat und der Fall neu aufgerollt wird:

Eingestelltes Verfahren gegen Verkehrsrowdy wird neu aufgerollt

Bleibt zu hoffen, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit noch etwas wert ist in Deutschland und ein öffentliches Interesse von jedermann darin besteht. Von wegen "mangels öffentlichem Interesse"! Wehret den Anfängen kann man nur sagen! Radfahrer sind Umweltschützer und sicherlich nicht weniger wert als Autofahrer mit ihren lebensbedrohlichen und leider nicht selten auch zur Waffe eingesetzten Fahrzeugen.

Darauf weist auch diese Petition hin:

Angriffe im Straßenverkehr verhindern und verfolgen statt Verharmlosung!

Brennpunkt Kölner Teller - Dezember 2017

Schwere Unfälle mit Todesfolge wegen "Verkehrsberuhigung"!?

Soweit ist es nun also schon gekommen. Wir knicken vor dem Autoverkehr dermaßen ein, dass unschuldige Radfahrer zu Tode kommen oder schwer verletzt werden. Ein Thema, das Menschen, die einfach nur am Verkehr teilnehmen wollen um von A nach B zu kommen und sich an die Regeln halten, richtig aufregt - in drei Akten (bitte Links anklicken):

Eine Vorahnung bewahrheitete sich:

Sind die "Kölner Teller" gefährlich?

Wieder mal eine Fehlplanung, die erst zu spät kritisch beäugt und öffentlichkeitswirksam kritisiert wurde (auch hier zeigt sich, wie wichtig der ADFC und kritische Mitbürger sind!):

Was Kölner Teller bringen und wie gefährlich sie sind (plus Videos)

Nachdem die "Versuchsphase" mit mehreren Unfällen vorbei ist, ein Radfahrer weniger unter uns weilt:

Heidelberg: Stadt entfernt umstrittene Bremsschwellen

Auch hier ist meiner Ansicht nach unübersehbar: Die verantwortlichen Verkehrsplaner und Entscheider schauen sich die Einbauten einfach nicht genau genug an bzw. haben keine Ahnung von fahrphysikalischen Kräften, der Rutschempfindlichkeit schmaler Reifen von einspurigen Fahrzeugen oder haben sich überhaupt nichts dabei gedacht, hauptsache "Verkehrsberuhigung"! Die Betroffenheit der Stadt hilft hier leider nicht. Menschenleben sind unbezahlbar. Ein Blitzer ist es nicht.

Ein Mensch ist ein Individuum, hier müssen sämtliche Verhaltensmuster (wer fährt wie und wo) und äußere Umstände (Witterung und Tageszeit) simuliert werden, bevor man sich für teure und gefährliche Maßnahmen entscheidet, die dann womöglich Menschenleben kosten. So was darf im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr passieren. Haben wir denn aus der Vergangenheit noch nicht genug gelernt?

Wir sind und bleiben 2017 und auch 2018 der Meinung, das folgende Maßnahmen dringend erforderlich sind: Strafen für zu schnelles Fahren massiv erhöhen, Verkehrsüberwachung erheblich verstärken, damit Tempolimits auch ohne diese Schikanen, die immer auch die korrekt fahrenden Auto- und Motorradfahrer (und Radfahrer sowieso) bestrafen und die Umwelt belasten, eingehalten werden. Die Verkehrsmoral ist nicht gut. Gefahren wird wie man will. Es überwacht ja keiner.

Auch über eine Wiederholung der theoretischen und praktischen Fahrprüfung sollte man nachdenken, denn leider brennen sich mit der Zeit bei den Autofahrern bestimmte Verhaltensmuster ein, die anders einfach nicht aufgedeckt und beseitigt werden können. Das betrifft auch Abstand halten, blinken und so weiter.

Wir Deutschen sind doch irgendwie mies drauf, wenn wir solche einbremsenden Schikanen brauchen, die unschuldige Todesopfer fordern. Ist denn so was wie Anstand heutzutage nichts mehr wert? Allerdings muss hier gesagt sein, dass Tempo 20 extrem langsam ist und die Frage, ob Tempo 30 es nicht auch getan hätte, welches sicher eher eingehalten worden wäre, muss erlaubt sein. Tempolimits müssen auch angemessen sein.

Unser Beileid für die Hinterbliebenen des verstorbenen Radfahrers.