- Initiative Cycleride

Jeder Radfahrer ist ein Auto weniger im Stau....

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Bernd Sluka kommentiert die Pannenflicken 2017/2018

Bernd Sluka kommentiert in seiner erfrischend unverblümten und zutreffenden Art den Pannenflicken 2017/2018

 

Reichenbach

 

Maßstab ist nicht nur der Rennradfahrer, auch für den Alltagsradverkehr

ist so eine Wegweisung untauglich, weil bei Trockenheit nur mühsam und

bei Nässe wird alles vollgesaut. Hier zeigt sich wieder einmal: Traue

keiner Fahrradwegweisung. Wenn sie dich von der Straße weglocken will,

wechsle zurück auf die Fahrbahn und folge der zuverlässigen Wegweisung,

die dort für alle Fahrzeuge angebracht ist.

 

Fazit: stupide Ignoranz gegenüber dem (Alltags)Radverkehr

 

Votum: 1 von 5 platten Reifen

 

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Theley

 

Da ist eine klare bauliche Trennung zwischen dem Gehweg und dem Radweg

durch den Grünstreifen. Der Radweg ist der breite, asphaltierte Teil

links vom Grünstreifen. Darauf weist ja auch hin, dass am Ende des

Gehwegs die Situation nochmals mit Zeichen 237 verdeutlicht wird. Leider

dürfen auf dem breiten asphaltierten Weg nur Radfahrer fahren. Hat das

jemand den Autofahrern gesagt, die wie auf den Fotos zu sehen illegal

unterwegs sind? Aber der Gehweg sollte dringend mal freigeschnitten

werden.

 

Fazit: dumme Beschilderungsfehler

 

Votum: 1 von 5 platten Reifen

 

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Neuffen

 

Eigentlich ist Beginn des Schutzstreifens kurz vor dem Kreisverkehr eine

deutliche Warnung. Die Tatsache, dass er vorher nicht markiert wurde,

weist eindeutig darauf hin, dass nun eine abartige Radverkehrsführung

folgen soll. Die Fortsetzung des "Schutzstreifens" ist allerdings ein

Radweg, aber kein benutzungspflichtiger.

 

Die fehlende Furtmarkierung um den Kreisverkehr, die fehlerhafte

Wegführung um ihn herum, die nicht den Richtlinien (ERA) entspricht, und

die Tatsache, dass man links herumfahren soll, erhöhen die Unfallgefahr

um ein Vielfaches. Wegen dieser in Kauf genommenen Gefährdung ist das

einer meiner Favoriten.

 

Noch ein Tipp: Nachdem linksseitig ein Gehweg (mit Freigabe für

Radfahrer) weiterführt, kommt eine Umwandlung in einen (reinen) nicht

benutzungspflichtigen Radweg nicht infrage. Glücklicherweise gibt es

auch gemeinsame Geh- und Radwege ohne Benutzungspflicht und sogar eine

offiziell dafür vorgesehene Markierung, siehe

<http://bernd.sluka.de/Radfahren/Geh_und_Radweg.html>

 

Fazit: Kein Einzelfall. Leider findet man fast ausschließlich Radwege um

Kreisverkehre, die nicht nach den Richtlinien gebaut wurden. Und das,

obwohl die ERA eindeutig warnt: Entweder genau nach den Richtlinien,

oder die Radfahrer auf die Fahrbahn schicken.

 

Votum: 3 von 5 platten Reifen

 

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Bayreuth

 

Das ist ein Sicherheitsstreifen (Hilfe, um den korrekten Abstand zu den

parkenden Fahrzeugen) einzuhalten. Wenn Radfahrer darauf fahren, sollte

schnellstmöglich eine Schraffur als Sperrfläche angebracht werden, um

den Zustand zu verdeutlichen. Das geht auch mit wenig Aufwand vor einer

Neugestaltung der Straße.

 

Fazit: Radfahrer, die sich durch Markierungen beeindrucken lassen und

falsch fahren, gibt es überall.

 

Votum: 2 von 5 platten Reifen

 

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Landau

 

Das erste Zeichen 240 ist so alt (vor 1992), dass es offensichtlich nie

überprüft wurde, obwohl diese Prüfung neben den turnusmäßig

durchzuführenden Verkehrsschauen für die Jahre 1997 und 2007

ausdrücklich vorgeschrieben war. Das und die Antwort, man "konnte die

rechtsseitige Benutzungspflicht beibehalten" deutet auf eine starke

Gleichgültigkeit der Stadtverwaltung gegenüber den Anforderungen des

sicheren Radverkehrs hin. Hoffentlich wachen die Verwaltung und der

Bürgermeister von Landau durch die Nominierung für den Pannenflicken aus

ihrem Dornröschenschlaf auf.

 

Fazit: Wegen der vielen Hindernisse im Weg, der zahlreichen gefährlichen

Einfahrten, der Bushaltestellen mitten auf dem Weg und der gefährdenden

Führung über einen Zebrastreifen sollte der Radweg vollkommen

aufgelassen werden - in beide Richtungen. Daher:

 

Votum: 3 von 5 platten Reifen

 

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Kandel

 

Das ist ein Standardfall einer missbräuchlichen Beschilderung und sollte

eigentlich auf dem Rechtsweg zu beseitigen sein, wenn die zugehörige

Kommune auf stur schaltet.

 

Fazit: Lehrbeispiel für angehende Juristen

 

Votum: 1 von 5 platten Reifen

 

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Pirmasens

 

Ein schönes Beispiel von behördlicher Desorganisation. Offenbar spricht

die eine Behörde nicht mit der anderen oder das Gartenamt ist nicht

"grün" mit dem Amt, das die Wege ausgewiesen hat.

 

Fazit: Der vorgesetzte Oberbürgermeister sollte schnellstmöglich seine

Behörden anweisen.

 

Votum: 2 von 5 platten Reifen

 

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Annweiler

 

Neu gebaute Radwege nur wegen vorgeblicher Zuschussregeln

benutzungspflichtig zu beschildern geht gar nicht. Denn damit wird die

eigentlich zuständige Straßenverkehrs-Ordnung und die zugehörigen

Verwaltungsvorschriften außer Acht gelassen. Die Kreisverwaltung zeigt,

dass sie Regeln nur befolgt, wenn sie ihr in den Kram passen.

 

Und die Verkehrsführung an der Einmündung der K1 ist fast schon als

kriminell (§ 315b StGB) zu bezeichnen. Das weiß die Behörde

offensichtlich auch, sonst hätte sie dort nicht Zeichen 205 für die

Radfahrer aufgestellt, seltsamerweise aber in der ungefährlicheren,

rechtsseitigen Fahrtrichtung. Für die linksseitige Fahrtrichtung fehlt

dort die zwingend vorgeschriebene Furtmarkierung. Oder sollte sie

deswegen fehlen, weil man auf den Radweg linksseitig erst nach der

Einmündung auffahren darf, es aber dort wegen der Verschwenkung in die

Einmündung hinein, auch kaum kann.

 

Fazit: Dieser Radweg ist an der Einmündung gefährlich, in beiden

Richtungen in großen Teilen schlicht unerreichbar, damit unbenutzbar

(außer für die Anwohner der Straße "Am Flotz") und

weitgehend überflüssig. Weg damit! Weg aber vor allem mit der

ausgeschilderten Benutzungspflicht!

 

Votum: 4 von 5 platten Reifen (einer extra wegen der behördlichen

Ignoranz gegenüber den Radfahrern)

 

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Bundesrepublik Deutschland

 

Der klare Sieger! Die untauglichen Pauschalierungen der Begründung

zur Änderung der StVO stehen nicht nur im Widerspruch zu

Unfalluntersuchungen, sie sind nicht einmal in Extremfällen belegt.

Sie widersprechen selbst den sehr "konservativen" Regeln der ERA, die

erst bei mehr als 4000 Kfz pro Tag auf einer außerörtlichen Straße

Radverkehrsanlagen in der Regel für sinnvoll erachtet. Da hat ein

nicht-radfahrender Autor sich Hirngespinste ausgedacht,

niedergeschrieben und der Bundesrat hat diesen Unsinn in einer Nacht-und-

Nebel-Aktion ohne Information und Beteiligung von Fachverbänden

abgenickt. Traurig auch, dass der ADFC eine solche Entscheidung

bejubelt, anstatt die Vorgehensweise scharf zu kritisieren.

 

Ein Beispiel, wozu diese Neuregelung führt, werde ich für den nächsten

Pannenflicken einreichen. Es geht darum, dass tausende Radfahrer täglich

zusammen mit bedauernswerten Fußgängern auf einen nicht einmal 2,50

Meter breiten Weg im Gegenverkehr gezwungen werden sollen - Unfälle sind

damit fest eingebaut. Leider war dieser Weg nicht im Vorfeld zu

verhindern - bayerische Sturschädel mit wenig Verstand beteiligt - und

wird derzeit gebaut. Nächstes Jahr ist er bestimmt fertig und ein

würdiger Kandidat.

 

Votum: 5 von 5 platten Reifen

Das Magazin Stern prangert Ausrede "Toter Winkel" an

So langsam scheinen sich die Zeiten zu ändern und das Blatt sich zu wenden. Viel zu lange wurde das Thema "Radfahrer getötet durch rechtsabbiegende LKW" totgeschwiegen. Unerträgliche Aussagen der - oft von den Spediteuren gestressten - LKW-Fahrer vor Gericht führten zu Freisprüchen, eventuell zu Bewährungsstrafen, nicht selten nicht einmal zum Führerscheinentzug. "Der Fahrer konnte nichts sehen" so die übliche Begründung. Also darf man einfach drauflos fahren? Rechts abbiegen ohne was zu sehen?

Seit Jahren fordern Verkehrsexperten und Radverkehrsverbände Sicherungseinrichtungen wie Totwinkelwarner und Abbiegeassistenten oder kameragestützte Systeme wie z.B. ProViu an LKWs. Einige gehen sogar so weit, dass sie eine Beifahrerpflicht innerorts fordern, wenn all diese Systeme nicht an LKW-Bord sind. Denn blind abzubiegen, weil man ja nichts sehen kann, ist absolutes No-Go - zumal sehr viele Radfahrer, die bei Grün über die Radwegfurt fahren, erfasst und überrollt werden.

Nun hat Stern Redakteur Gernot Kramper aufgrund eines erneut traurigen Unfalls in Hamburg knallharte Fakten zelebriert. Der Tote Winkel ist eine faule Ausrede. Blind abbiegende LKW-Fahrer handeln grob fahrlässig und die Politik tut viel zu wenig. Auch die Presse bekommt ihr Fett weg, schreibt sie doch allzu oft von "Radfahrer wurde übersehen" statt "Radfahrer/in wurde vom LKW-Fahrer aus Achtlosigkeit getötet". Krass, hart aber real zutreffend. Oder?

Noch dazu lassen Kraftfahrer bei solchen Unfällen leider oft keine Einsicht erkennen, obwohl das Abbiegen, ohne etwas zu sehen, grundsätzlich verboten ist. Unglaublich, aber seit Jahren Usus. Und Radfahrer bekommen dann von Berufskraftfahrern auch noch ihr Fett weg, wie in der Soester Zeitung, dass Radfahrer generell warten müssten, auch wenn sie Grün hätten.

Wir meinen: Ein herausragender, gut recherchierter Artikel, bei dem wir uns angesicht der oft übermilden Presse die Augen reiben. Bravo Gernot Kramper!

*Zum Artikel*

Jetzt sind wir gespannt, was sich tut....bundesweit. Auf geht's Herr Scheuer!

Donzdorf gewinnt den Pannenflicken 2016 der Initiative Cycleride

Donzdorf gewinnt den Pannenflicken 2016 der Initiative Cycleride

Zu viele Umlaufsperren pro Kilometer verhagelten Reutlingen den Sieg.

Lange führend sah es so aus, als würde sich Reutlingen mit seinen ultraschmalen Radwegen entlang von uneinsehbaren Grundstücksausfahrten und fehlenden Furtmarkierungen an Straßeneinmündungen im Stadtteil Rommelsbach den Goldenen Pannenflicken 2016 sichern. Doch Donzdorf, im Wahlverlauf stets auf den Fersen, überholte mit den letzten Stimmen der Mitglieder und Fachjuroren. Albert Herresthal vom VSF, einer der vier bundesweit bekannten Experten in Sachen Radverkehr, bezeichnete die Donzdorfer Situation im Landkreis Göppingen treffend als „Umlaufsperrenalbtraum“ und kommentierte folgendermaßen: „Dieser "Radweg" gleicht eher einem Schikane-Parcours. Durch die rekordverdächtige Konzentration von Umlaufsperren wird nicht nur das Fahrvergnügen erheblich geschmälert, sie stellt auch ein signifikantes Sicherheitsrisiko dar“. Paul Bickelbacher, bundesweit sowohl in Radverkehrs- als auch in Fußgängerverbänden engagiert, ergänzte:  „Insbesondere in dieser Ausführung und machen Umlaufsperren den Benutzern von Lastenrädern, Kinderanhängern und Rollstühlen das Leben schwer“.

Reutlingen dagegen bietet auf seinen bisweilen nur 80 cm schmalen „Radwegen“ ein Sammelsurium von Schikanen, die man als Ortsunkundiger womöglich schmerzhaft in Erinnerung behalten könnte. Einheimische fahren oft von vorneherein auf der Fahrbahn, obwohl dies per Schild eigentlich untersagt ist. Zu vielfältig sind die möglichen Unfallgefahren auf abschüssiger Strecke, ganz im Gegensatz zur danebenliegenden Fahrbahn, die auch noch auf Tempo 30 begrenzt ist.

Neben den beiden „Baden-Württembergern“ steht die Gemeinde Uder im thüringischen Landkreis Eichsfeld auf dem Siegertreppchen. Wenn man es hier unbeschadet an Hauseingängen und einer fast nicht einsehbaren Supermarktausfahrt vorbei geschafft hat, wird man durch zwei Gebäudetunnel geschleust. Das alles bei bestehendem Fußgänger- und entgegenkommenden Radverkehr. Auch hier: Verbot für Radfahrer, auf der Fahrbahn zu fahren.

Der Sonderpreis „Trampelpfad“ geht an Hannoversch Münden und den Landkreis Göttingen, die Radfahrer per Blauschild von der kaum befahrenen Fahrbahn weg auf einen nicht einmal einen Meter breiten Pfad durchs Grün schicken, auf dem Begegnungsverkehr schlichtweg nicht möglich ist.

Auf den Plätzen folgten die Städte und Gemeinden Gifhorn, Limburg, Bamberg, Einbeck und Nidda. Auch dieses Jahr blieb keine Nominierung ohne Stimme. Laut Klaus Wörle vom ADFC Regensburg waren alle Nominierten in irgendeiner Weise würdige Kandidaten für „Pannenflicken", "Rostige Ritzel" oder "Gerissene Speiche“.